Auszubildender im Unternehmen: Darf man ihn alleine arbeiten lassen? Rechte und Pflichten

Der Ausbildungsvertrag macht den Auszubildenden zu einem vollwertigen Arbeitnehmer, der dem Arbeitsrecht und der Betriebsordnung unterliegt. Es gibt keinen gesetzlichen Text, der es ausdrücklich verbietet, einen Auszubildenden allein arbeiten zu lassen. Die Antwort hängt tatsächlich von der Art der Stelle, dem Alter des Auszubildenden und dem von dem Arbeitgeber eingeschätzten Risiko ab.

Alleinarbeit und Ausbildung: zwei sich überschneidende rechtliche Rahmenbedingungen

Die Frage, ob man einen Auszubildenden allein lassen kann, betrifft zwei unterschiedliche Logiken. Die erste betrifft das allgemeine Recht der Alleinarbeit. Die zweite betrifft die spezifischen Schutzmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Ausbildungsvertrag.

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Die Alleinarbeit ist nicht durch einen einzelnen Artikel des Arbeitsrechts definiert. Sie zeichnet sich durch das Fehlen von visuellem oder sprachlichem Kontakt zu anderen Personen aus, kombiniert mit einem Risiko im Falle eines Unfalls oder einer gesundheitlichen Beeinträchtigung. Ein Nachtportier allein in einer Lobby und ein Arbeiter allein auf einer Baustelle stellen nicht das gleiche Gefahrenniveau dar.

Der Auszubildende hat einen hybriden Status. Als Arbeitnehmer des Unternehmens ist er auch in Ausbildung. Sein Arbeitgeber hat eine verstärkte Sicherheitsverpflichtung, und ein Ausbilder muss ihn bei der Entwicklung seiner Fähigkeiten unterstützen. Diese beiden Rahmenbedingungen überschneiden sich, sobald der Auszubildende ohne Kollegen in der Nähe ist.

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Pflichten des Arbeitgebers in Bezug auf die Sicherheit des Auszubildenden

Auszubildende in einem modernen Büro, die allein arbeitet, symbolisiert die Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Autonomie von Auszubildenden

Der Arbeitgeber bleibt der Hauptverantwortliche für die Gesundheit und Sicherheit des Auszubildenden. Diese Verantwortung entfällt nicht, wenn der junge Mensch allein arbeitet, sie intensiviert sich.

Die Risikobewertung der Stelle bestimmt alles Weitere. Bevor ein Arbeitgeber einem Auszubildenden eine selbstständige Aufgabe überträgt, muss er überprüfen, ob die Stelle nicht zu den regulierten oder für unter 18-Jährige verbotenen Arbeiten gehört. Die Bereiche Bauwesen, schwere Handhabung oder gefährliche Maschinen unterliegen besonderen Einschränkungen.

Für einen minderjährigen Auszubildenden sind die Vorgaben strenger:

  • Einige gefährliche Arbeiten erfordern eine vorherige Genehmigung von der Arbeitsaufsicht, selbst in Anwesenheit eines Betreuers.
  • Die Arbeitszeit ist begrenzt und Nachtarbeit ist verboten, was mechanisch die Situationen prolongierter Isolation reduziert.
  • Der Arbeitgeber muss sicherstellen, dass der junge Mensch eine auf die Stelle zugeschnittene Sicherheitsausbildung erhalten hat, bevor er in die Selbstständigkeit entlassen wird.

Ein volljähriger Auszubildender hingegen unterliegt dem allgemeinen Arbeitnehmerrecht. Die altersbedingten Einschränkungen entfallen, aber die allgemeine Sicherheitsverpflichtung des Arbeitgebers bleibt unverändert.

Rolle des Ausbilders bei der schrittweisen Autonomie

Der Ausbilder ist kein ständiger Aufseher. Seine Rolle besteht darin, berufliches Know-how zu vermitteln und zu überprüfen, dass der Auszubildende gemäß den Zielen seiner Ausbildung Fortschritte macht. Es gibt keine gesetzliche Vorschrift, die ihn verpflichtet, jederzeit physisch an der Seite des Auszubildenden zu sein.

Der Unterschied liegt in der Vorstellung einer angemessenen Begleitung. Ein Auszubildender im ersten Jahr des CAP hat nicht die gleichen Orientierungspunkte wie ein Masterstudent am Ende seines Vertrags. Der Grad der Autonomie muss dem tatsächlich erworbenen Kompetenzniveau entsprechen, nicht dem Bedarf an Arbeitskräften des Unternehmens.

Es ist nicht illegal, einen Auszubildenden allein zu einem Kunden oder auf eine externe Baustelle zu schicken. Der Arbeitgeber muss jedoch dokumentieren, dass der junge Mensch die erforderlichen technischen Fertigkeiten beherrscht und die geltenden Sicherheitsverfahren kennt. Im Falle eines Unfalls setzt das Fehlen dieser Nachverfolgbarkeit das Unternehmen einem unentschuldbaren Fehler aus.

Ausbilder erklärt einem jungen Auszubildenden in einer professionellen Küche die Anweisungen, was die Aufsicht und die Verantwortlichkeiten in der Ausbildung veranschaulicht

Haftung des Arbeitgebers im Falle eines Unfalls eines isolierten Auszubildenden

Wenn sich ein Auszubildender verletzt, während er allein arbeitet, gilt die Einstufung als Arbeitsunfall unter den gleichen Bedingungen wie für jeden Arbeitnehmer. Die Kostenübernahme erfolgt über den Bereich AT/MP der Sozialversicherung.

Die Haftung des Arbeitgebers kann in zwei spezifischen Fällen verschärft werden:

  • Die Stelle stellte eine identifizierte Gefahr dar und es wurden keine Präventionsmaßnahmen getroffen (fehlendes Alarmsystem, keine Notfallverfahren, kein regelmäßiger Besuch eines Kollegen).
  • Der Auszubildende hatte keine obligatorische Sicherheitsausbildung erhalten, bevor er allein auf die Stelle versetzt wurde.

In diesen Situationen kann der Richter die unentschuldbare Schuld des Arbeitgebers feststellen, die dem Opfer einen Anspruch auf zusätzliche Entschädigung eröffnet. Die Tatsache, dass der Arbeitnehmer Auszubildender ist, also in Ausbildung, verstärkt die strenge Bewertung des Versäumnisses.

Konkrete Maßnahmen zur Regelung der Alleinarbeit eines Auszubildenden

Statt jede Autonomie zu verbieten, was dem pädagogischen Ziel der Ausbildung widersprechen würde, hat das Unternehmen ein Interesse daran, einen klaren Rahmen zu formalisieren.

Der erste Schritt besteht darin, die Bewertung der Alleinarbeit im Dokument zur Risikobewertung zu vermerken. Dieses Dokument muss die betroffenen Stellen, die Auszubildenden, die dort eingesetzt werden könnten, und die festgelegten Korrekturmaßnahmen aufführen.

Darüber hinaus reduzieren praktische Maßnahmen das Risiko, ohne die Autonomie zu beseitigen: regelmäßige Kontrollanrufe, Alarmsystem für allein arbeitende Personen (DATI) an Risikostellen, schriftliche Anweisungen, die dem Auszubildenden mit den Notrufnummern des Standorts übergeben werden.

Die Nachverfolgbarkeit der erhaltenen Ausbildung schützt sowohl den Arbeitgeber als auch den Auszubildenden. Die Aufbewahrung der Sicherheitszertifikate, der unterzeichneten Stellenbeschreibungen und der Protokolle von Gesprächen mit dem Ausbilder stellt die beste Verteidigung im Falle eines Streits dar.

Der Ausbildungsvertrag zielt auf den schrittweisen Erwerb eines Berufs ab. Einen Auszubildenden allein arbeiten zu lassen, gehört zu diesem Fortschritt, vorausgesetzt, der Arbeitgeber hat die erworbene Kompetenz überprüft, das Risiko der Stelle bewertet und die Präventionsmaßnahmen dokumentiert. Der rechtliche Rahmen sieht kein absolutes Verbot vor, sondern verlangt eine Sorgfalt, die dem tatsächlichen Risiko entspricht.

Auszubildender im Unternehmen: Darf man ihn alleine arbeiten lassen? Rechte und Pflichten